Matt Rhule: Absage der Preseason, COVID 19 und wie er seinen Kader für 2020 aufbauen wird.

Coach Matt Rhule stand am Mittwochabend per Videokonferenz Rede und Antwort bei Fragen rund um den Start des Trainingscamps. Zwangsläufig drehten sich viele Fragen um die Umstände, die der Coronavirus verursacht, was der Headcoach von seinen Spielern erwartet und wie er es meistern wird, einen schlagkräftigen Kader für die Saison 2020 auf die Beine zu stellen.

Zunächst startete Matt Rhule`s erste Pressekonferenz des Trainingscamps mit guten Nachrichten: Aktuell steht keiner seiner Spieler auf der COVID/Reserve-Liste der NFL. Dies teilte ein Sprecher der Panthers vor Beginn der Redezeit von Coach Rhule mit. Folglich kann der Coach auf alle seine Spieler zurückgreifen und verliert zu Beginn des Trainingscamps kein Personal an das Coronavirus. Die PR-Abteilung stellte für das restliche Trainingscamp klar, dass hinsichtlich des Coronavirus keine Einzelheiten über den Gesundheitsstatus der Spieler bekanntgegeben werden. Sollte sich also ein Spieler auf der COVID/Reserve-Liste befinden, wird man nicht erfahren ob derjenige Spieler selbst infiziert ist, oder lediglich Kontakt zu Infizierten hatte.

Um den Virus möglichst vom Team fernzuhalten, sendete unser Headcoach während der „Zoom“-Videokonferenz am Mittwochnachmittag eine eindeutige Nachricht an alle seine Spieler.

Das Wichtigste überhaupt ist, dass man sich verantwortlich fühlt. Jemand zu sein, der sich selbst und das gesamte Team davor schützt zu erkranken.

Im Folgenden könnt Ihr die wichtigsten Fragen und Antworten der Videokonferenz nachlesen:

 

Vor dem Hintergrund, dass bisher niemand das Spielfeld betreten konnte – Was ist die größte Herausforderung, die Spieler auf den Start der Saison vorzubereiten?

„Ich denke wichtig ist, dass jeder das Richtige tun will. Jeder möchte auf dem höchsten Niveau abliefern. Egal ob es die Coaches, Mitarbeiter des Teams oder eben die Spieler sind. Wir müssen bescheiden genug sein, um zuzugeben, dass wir alle Fehler machen und dann aus diesen Fehlern lernen. Dann müssen wir weitermachen und als Gruppe zusammenwachsen.“

„Die andere Seite ist das Aufbauen von gegenseitigem Vertrauen. Football lebt davon sich selbst, aber auch seinen Teamkameraden, den Coaches und dem ganzen System zu vertrauen. Das ist ein Prozess und der braucht seine Zeit. Ganz offensichtlich haben wir hierfür nur ein kleines Zeitfenster, aber die Jungs in der Spielerkabine und auch der Trainerstab sind für diese Herausforderung bereit“

 

Wieso haben Sie entschieden bei einem 90-Mann Kader zu bleiben, anstelle auf 80 Spieler zu kürzen? (Die Panthers müssen ihren Kader bis zum 16. August auf 80 Spieler herunterkürzen)

„Wir haben sehr hart daran gearbeitet 90 Spieler auszuwählen, mit denen wir ins Trainingscamp gehen wollen. Und auch diese Jungs haben die gesamte Offseason sehr hart gearbeitet. Die virtuellen Meetings und all das was wir von ihnen verlangt haben. Es hat sich einfach nicht richtig angefühlt diese Spieler rauszuwerfen, ohne sie jemals bei der Arbeit gesehen zu haben.

„Die Regeln sagen ja, dass wir zu jeder Zeit auf die 80 Spieler runtergehen können. Meiner Meinung nach bist du in diesen schwierigen Zeiten froh, wenn du so viele Spieler wie möglich um dich herum hast die mit deinem System vertraut sind. Deshalb wollten wir mit 90 Spielern starten und schauen, wie es sich entwickelt und in welche Richtung der Trend geht. Offensichtlich haben wir die Möglichkeit auf 80 Spieler zu kürzen. Mal schauen ob es erst am Stichtag oder vorher sein wird. (Anm. d. Redaktion: Am Samstag, dem 01.08. wurde der Kader auf 80 Spieler gekürzt)“

 

Sehen Sie die Möglichkeit, dass noch mehr Panthers-Spieler wegen dem Coronavirus freiwillig aussetzen? (Undrafted Free Agent LB Jordan Mack gab bekannt, dass er nächste Saison nicht spielen wird) Haben Sie diesbezüglich eine Nachricht an Ihre Spieler?

„Jeder von uns hat verschiedene familiäre Probleme. Meine 3 Kinder wurden als Frühchen geboren. Wir alle haben unsere Probleme. Manche von uns haben Eltern, manche haben schwangere Frauen, manche haben Kinder und manch einer selbst hat ein höheres gesundheitliches Risiko. Somit habe ich allen meinen Spielern verdeutlicht, dass dieses Virus uns alle in verschiedenster Form trifft und beschäftigt. Also wenn jemand irgendwelche Bedenken oder Fragen hat, kann er jederzeit mit mir über diese Dinge reden.“

„Die richtige Entscheidung muss dann jeder für sich selbst treffen. Ich werde niemanden etwas vorwerfen, wenn er sich für die eigene Sicherheit oder die der Familie entscheidet. Ich habe über die ganze Zeit der Pandemie versucht klarzustellen, dass ich ein Coach bin, der den Menschen helfen will und die Spieler dahingehend ermutigt, die eigene Gesundheit und die Gesundheit der Familie als Priorität anzusehen. Ich hoffe, dass die Jungs sich bei allem Tun und Handeln durch meine Worte gestärkt und wirklich sicher fühlen.“

„Meine Nachricht ist einfach, dass jeder machen sollte, was er machen muss. Zur gleichen Zeit können wir alle zusammenarbeiten und sicherstellen, dass wir uns alle gesund und sicher fühlen.“

 

Denken Sie, dass Sie einen Wettbewerbsnachteil haben, weil sie einen neuen Quarterback haben und sich große Teile des Kaders verändert haben?

„Es ist alles anderes als ideal.“

„Selbst die Entscheidungen, die wir in diesen Augenblicken treffen, basieren noch lediglich auf Treffen in Räumen und ähnlichem. Aber es gibt nichts Schlimmeres als ein Football Coach, der sich beschwert. Ich kann nur das Beste daraus machen und es als Herausforderung ansehen. Sollte die Normalität wieder einkehren, wird man dieseals vorher zu schätzen wissen. Ich habe bis heute nicht alle Spieler persönlich getroffen. Wenn ich sie das erste Mal sehe, werde ich mich ihnen noch durch die Maske mit ‚Hey, ich bin Matt Rhule‘, vorstellen müssen.“

„Die Herausforderung ist da und ich werde sie auch so akzeptieren.“

 

Wie integrieren sich die verletzten Spieler? Und was führte zur Verpflichtung von dem neuen Punter Joseph Charlton?

„KK Short scheint mit seinen 315 Pfund in fantastischer Verfassung zu sein. Ich denke, dass er sich durch harte Arbeit in eine gute Ausgangsposition für ein tolles Jahr 2020 gebracht hat. Shaq Thompson ist zurück und ist gesund. Graham Gano sieht auch gesund aus. Ich habe ihn persönlich nicht kicken gesehen, aber der medizinische Stab ist zufrieden mit seinem aktuellen Stand (Anm. d. Redaktion: Graham Gano wurde am Donnerstag offiziell entlassen). Michael Palardy hat sich in der Offseason das Kreuzband gerissen. Für ihn tut mir das sehr leid. Michael ist ein ausgezeichneter Team-Player, der schon so viel durchgestanden hat. Dennoch denke ich, dass sein bester Football noch vor ihm liegt und dass auch dieser Vorfall für etwas gut sein wird. Ich weiß, dass er besser und stärker zurückkommen wird.“

„Marty Hurney hat Joseph bei seinem Schulbesuch kennengelernt. Er hat ein wirklich sehr, sehr starkes Bein. Damit kann er was reißen. Also dachten wir, dass wir ihn uns holen und schauen, was er so alles damit anstellen kann. Wir hatten ihn noch nicht auf dem Platz, aber wir wissen um sein Können und seine Voraussetzungen. Somit müssen wir zunächst einmal das richtige Umfeld für ihn schaffen damit er sich wohl fühlt und mit dem System vertraut macht. Er wird sich in keinem Preseason-Spiel beweisen können, aber wir werden Drucksituationen für ihn schaffen.“

„Er hat aber in der „SEC“ gekickt. Also auf einem hohen Niveau.“

 

Inwiefern beeinflusst die Tatsache, dass es keine Preseason gibt, den Bewertungsprozess?

„Das Schwierige ist, dass es Spieler gibt, die sich in den Spielen eher schwer tun, aber eine starke Trainingsleistung abrufen. Und manche Spieler machen genau das Gegenteil. Irgendwas Spezielles brennt in den Spielern, dass man erst erkennen kann, wenn es in die Spiele geht.“

„Ich bin seit 7 Jahren Headcoach und hatte noch nie ein Preseason-Spiel im College. Also musste ich mir für die Bewertungsprozesse Dinge im Training einfallen lassen. Nun werde ich mich jetzt auf mein Coaching-Team, Marty Hurney und sein Team verlassen. Ich sage meinen Leuten immer, kontrolliert was ihr kontrollieren könnt. Und gerade jetzt ist es für unsere Spieler, egal ob jung oder alt, an der Zeit, bei jedem virtuellen oder persönlichen Treffen zu glänzen. Sie müssen jetzt in dieser kontrollierten Umgebung zeigen, was sie drauf haben.“

„Und wir werden den Kader kürzen müssen. Dieses Jahr haben wir jedoch diesbezüglich mehr Flexibilität als in den Jahren zuvor. Auch wenn es nicht ideal ist, werde ich das Beste versuchen um gute Entscheidungen zu treffen. Wie die Preseason nun ausgelegt ist, kenne ich aus den letzten Jahren schon. Also bin ich damit vertraut und fühle mich ganz wohl damit.“

 

Gibt es Tricks, die Sie vom College in das NFL Training ohne Preseason einbringen können?

„Ich glaube einfach, dass wir sehr, sehr hart trainieren werden.“

„Es ist nicht so, dass wir Trainingsspiele absolvieren und man durch ein simuliertes Spiel geführt wird. Wir müssen uns in den Trainings, so wie in den alten Zeiten, harte Wettkämpfe liefern und dann schauen, wer dem Wettkampf standhalten kann. Man will dort sehen wie Donte Jackson gegen D.J. Moore spielt. Man will auch Ian Thomas gegen Tre Boston in Aktion sehen.“

„Ich denke, dass wir die Jungs auf der anderen Seite des Balls respektieren müssen und somit auf einem sehr hohen Niveau trainieren. Dann werden wir ins Stadion gehen, ein wenig Musik einspielen und versuchen ein paar Ablenkungen zu schaffen. Ich denke, dass all diese Faktoren wichtig sind. Am Ende des Tages ist es tatsächlich so, dass Eisen durch Eisen geschärft wird. Also wird es darauf ankommen, wie wir gegeneinander trainieren werden.“

 

Wie wichtig sind dieses Jahr jene Spieler, die in den letzten Jahren nicht so eine große Rolle gespielt haben?

„Man hat schon öfters Spieler gesehen, die auf dem Practice Squad eines Teams standen und dieses dann verließen. Bei ihrem nächsten Team wurden sie dann Starter.“

„Ich war ein College Coach, der an den Universitäten von Temple und Baylor gecoacht hat. Wir hatten keine 5 Sterne Rekruten. Ich habe unseren Stab immer dahingehend gelobt, dass er die Spieler entwickeln kann.“

„Ich weiß nicht, wieso man keine NFL-Spieler entwickeln können soll.“

„Ich habe mir immer vorgenommen einen großartigen Job mit dem Practice Squad und deren Spielern zu machen. In meinem Kopf hatte ich immer die Idee, Rohdiamanten zu finden. Mit den 16 Spielern auf dem Practice Squad hat man nun eine hohe Flexibilität für den Kader. Bei diesen Spielern soll es sich um Jungs handeln, die sich entwickeln können und auf lange Sicht gute Chancen haben, gestandene Spieler zu werden.“

„Gerade in diesem Jahr brauchst du Spieler, die vielseitig einsetzbar sind. Ich habe unseren Spielern Herausforderungen gestellt und ihnen gesagt, dass sie uns mit hoher Wahrscheinlichkeit weiterhelfen können, wenn sie das Football-Spiel verstehen und kennen.“

 

Wie wollen Sie diese Saison D.J. Moore und Curtis Samuel einsetzen?

„Wir sehen in beiden Potential und die Dinge, die sie im Stande zu leisten sind. Jetzt müssen wir sie in unser System integrieren. Ich habe Joe Brady unter anderem als Offensive Coordinator geholt, weil er die Stärken der Spieler erkennt und sein System auf diese Stärken zuschneiden kann. Er ist kein Coach, der ein starres System verfolgt, in dem Spieler alles machen müssen.

„An Curtis fasziniert uns, dass er die Fähigkeiten hat ‚Big Plays‘ zu kreieren und hinter die Gegenspieler zu kommen.r ist wirklich sehr vielseitig. Er kann Running Back spielen, sich als Slot-Receiver oder Outside Wide-Receiver aufstellen.“

„D.J. bringt auch eine Vielseitigkeit mit, die wir versuchen werden einzubeziehen. Er muss dieses Jahr den nächsten Schritt gehen und so dominant sein, dass er unser physischer Wide-Receiver wird, den man immer anwerfen kann. Das er derjenige ist, den wir beim 3. Versuch und noch 5 Yards zu gehen anspielen wollen. Er wird das Duell gegen den besten Cornerback des anderen Teams bestreiten müssen.“

 

Quelle: The Riot Report 
Autor: Antwan Staley

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