Zwischen Hoffnung und Fragezeichen: Die Panthers vor der neuen Saison
Am Sonntag startet die neue Saison 2026. Kurz vor Beginn schauen wir nochmal genau auf die Carolina Panthers. Was hat sich im Vergleich zur letzten Saison getan und gibt es wieder eine Chance auf die Playoffs?
Neue Saison – Alter Quarterback
Auf der wichtigen Quarterback-Position bleibt alles wie zuvor. Bryce Young hat sogar die Fünfjahresoption bekommen, was ihn nicht nur diese Saison, sondern auch 2027 an die Panthers bindet.
Der junge Quarterback kommt dabei leider wieder aus einer schwächeren Saison. Mit einer PFF Passing Grade von 68,2 belegte er lediglich Platz 25 von 36 in der NFL. Nach EPA/Play war es gar nur Platz 29.
Nach einem verkorksten Start riss er ab Woche 11 zumindest das Ruder einigermaßen um und beendete die Saison mit einer guten Performance in den Playoffs gegen die Los Angeles Rams. In diesem Jahr gilt es nun, Konstanz in sein Spiel zu bringen. Besonders seine große Schwäche bei mittellangen Pässen über die Mitte (3 Big Time Throws im Gegensatz zu 10 Turnover Worthy Throws und einem NFL Passer Rating von lediglich 60,5 bei diesen Würfen) gilt es zu überbrücken. Seine Stärke bei tiefen Pässen nach außen und Würfen aus Scrambles sollte dagegen weiterhin ausgespielt werden.
Unterstützt wird er in diesem Jahr von Backup Kenny Pickett. Andy Dalton zeigte im letzten Jahr, dass er nicht mehr in der Lage ist, das Team bei einem Young-Ausfall gut zu vertreten. Pickett sollte diese Rolle nun besser ausfüllen können und bei einer möglichen Implosion Youngs sogar bis zum Saisonende übernehmen.
Auch die Waffen bleiben (fast) gleich
Mit dem Rookie of the Year Tet McMillan und Jalen Coker hatten die Panthers bereits in der letzten Saison ein vielversprechendes WR-Duo. Coker war zu Beginn noch nicht fit und benötigte fast eine halbe Saison, um seine Form aufzubauen. Danach funktionierte er in der Offense sehr gut und verhalf seinem Partner McMillan zu weiteren Räumen.
Mit ihrer Größe konnten beide besonders bei den tiefen Pässen nach außen Youngs Stärken unterstützen. In dieser Saison könnten beide mehr herumgeschoben werden und auch vermehrt im Slot spielen. So wäre die Offense für die Gegner schwerer zu antizipieren.
Hinter den beiden klafft allerdings eine kleine Lücke. TE Ja‘Tavion Sanders hatte zwar eine vielversprechende Rookie-Saison, konnte aber aufgrund von Verletzungen im zweiten Jahr nicht mehr daran anknüpfen. Sein Standing sank wohl so stark, dass er von 2025-Rookie Mitchell Evans im Depth Chart überholt wurde und nur knapp an einem Roster Cut vorbeischlitterte. Nun gilt es für ihn, sich seinen Starting Job zurückzuerkämpfen.
Konkurrenz bekommt er von Neuzugang Darren Waller. Der Altstar wurde für ein Jahr verpflichtet und könnte den Panthers helfen, mit mehr Formationen mit mehreren Tight Ends zu agieren. Tommy Tremble wäre dafür eine weitere Option.
Insgesamt scheint die dritte und vierte Anspielstation aber eher eine Schwäche der Panthers zu sein. Daran können auch die weiteren Receiver wie Xavier Legette, Jimmy Horn oder John Metchie wenig ändern. Vielleicht kristallisiert sich hier noch eine gute Nummer drei heraus, aber allzu hohe Erwartungen sollten an diese Gruppe nicht gestellt werden.
Eine OLine mit neuen Gesichtern
In der OLine hat sich so viel getan, dass daraus eigentlich ein eigener Bericht gemacht werden könnte. Mit Cade Mays hatte das Team einen wichtigen Abgang in der Free Agency. In der Offseason wurde dann ein Blutgerinnsel bei Taylor Moton festgestellt. Der Tackle wird den Panthers damit zumindest zum Saisonstart fehlen.
Mit Ickey Ekwonu war zudem ein weiterer Ausfall bereits früh bekannt. Der Tackle zog sich im letzten Spiel der vergangenen Saison eine Patellasehnenruptur im Knie zu. Diese Verletzung ist besonders auf dieser Position kritisch, allerdings gibt es inzwischen Hoffnung, dass Ekwonu noch in dieser Saison zurückkehren kann.
Trotz der Rückschläge haben die Panthers Lösungen gefunden. Als Mays-Ersatz wurde auf Center Luke Fortner in der Free Agency geholt. Nach drei schwachen Jahren bei den Jaguars konnte er sich bei den Saints zuletzt etwas stabilisieren. Aus Panthers-Sicht bleibt zu hoffen, dass er an diese Leistungen anknüpfen kann.
Auf der Tackle-Position wurde mit Rasheed Walker ebenfalls ein relativ günstiger Ersatz für ein Jahr geholt. Der ehemalige Starter der Green Bay Packers konnte dort besonders in der Pass Protection überzeugen, hatte im Run Blocking allerdings größere Schwächen und sollte deshalb zumindest dort ein Downgrade gegenüber Ekwonu sein.
Die größte Investition war schließlich Monroe Freeling. Der Georgia-Tackle wurde in der ersten Runde des Drafts gezogen und wird nach dem Ausfall Motons sofort starten. Freeling beendete die College-Saison mit einer 86,1 PFF Pass Protection Grade und galt in dieser Beziehung als eines der größten Talente. Im Run Blocking gibt es dagegen noch Fragezeichen. Nun muss er sofort in die großen Fußstapfen von Taylor Moton treten und bereits in Woche eins als Starter abliefern.
Die OLine ist für den Start damit erstmal aufgestellt. Einerseits haben die Panthers guten Ersatz für die Starter geholt und es könnte am Ende auch erfolgreich funktionieren. Andererseits steht diese Gruppe auf einem nicht mehr ganz so stabilen Fundament wie in den letzten beiden Jahren. Nach dem Seuchenjahr von Robert Hunt ist Guard Damien Lewis nur noch der einzige Spieler dieser Line mit verlässlich gutem Niveau. Im Joint Practice wurden von den Houston Texans deswegen auch schon große Schwächen aufgedeckt. Es bleibt zu hoffen, dass die OLine zusammenfindet und der Offense die benötigte Stabilität bringen kann.
Ein Backfield voller Unsicherheiten
Die schwächste Gruppe der Offense ist die RB-Position. Rico Dowdle war 2025 der Back mit den meisten Snaps, wurde allerdings nicht gehalten. Bis auf die beiden perfekt vorgeblockten Performances gegen die Cowboys und Dolphins war er aber nicht unbedingt besser als der Ligadurchschnitt.
Das Problem ist, dass die Panthers keinen gleichwertigen Ersatz gefunden haben. Trevor Etienne konnte mit 4,7 Yards pro Run zwar den gleichen Schnitt wie Dowdle erreichen, hatte allerdings nur 20 Läufe in der gesamten Saison. Zudem ist er aktuell auf der Injury-Reserve-Liste und sollte nach seiner Rückkehr nur Running Back Nummer drei sein.
Die Snaps sollten sich deshalb größtenteils Chuba Hubbard und Jonathan Brooks teilen. Brooks konnte aufgrund von zwei Kreuzbandrissen quasi seine ersten beiden Jahre nicht spielen. Hubbard dagegen zeigte im vergangenen Jahr ebenfalls große Schwächen und schaffte es bei 134 Läufen nicht, einen einzigen Lauf über 15 Yards zu erzielen.
Die Running-Back-Situation sieht damit nicht vielversprechend aus. Gerade mit Blick auf Dave Canales laufintensiven Ansatz könnte das zu einem Problem werden. Die OLine bringt zudem nicht die Physis der letzten Jahre mit, was sich ebenfalls auf das Laufspiel auswirken könnte.
Sollte es zusätzlich im Passspiel zu keiner Konstanz kommen, sähe die Situation in der Offense deswegen schnell düster aus. Im schlimmsten Falle stünde erneut eine Performance im unteren Drittel der Liga an. Bereits im letzten Jahr belegten die Panthers offensiv nach EPA/Play lediglich Platz 26.
Umbruch in der Defense
Während sich in der Offense bis auf die OLine gar nicht so viel verändert hat, wurden in der Defense die großen Problemzonen gezielt angegangen. Die größten Schwächen lagen im Pass Rush und auf den LB-Positionen. Beide Problemfelder wurden in der Free Agency adressiert.
Frischer Wind im Pass Rush
Mit Jaelan Phillips haben die Panthers einen neuen Edge Rusher. 2025 schaffte es noch kein Edge Rusher der Panthers, bei der Pass Rush Win Rate zu den besten 70 der Liga zu gehören. Mit Phillips haben die Panthers nun einen Spieler geholt, der 2025 in dieser Kategorie zu den besten zehn Edge-Rushern gehörte.
Wermutstropfen ist sicherlich die Verletzung von Nic Scourton, der die gesamte Saison verpassen wird. Einige Experten vermuteten seinen Durchbruch im Schatten von Phillips. Besonders seine Fähigkeiten gegen den Lauf werden den Panthers fehlen. Vielleicht könnte nun Princely Umanmielen seine Rolle übernehmen, der als Pass Rusher nochmal mehr Potenzial haben könnte, aber aus einer sehr schlechten Rookie-Saison kommt.
In der Mitte der DLine dreht sich alles um Derrick Brown. Die Panthers werden weiterhin mit wenig Personal in der Box versuchen, den Lauf zu verteidigen. Das wird auch funktionieren, wenn Brown weiterhin auf einem hohen Niveau spielen sollte. In der letzten Saison konnte man aber auch schon beobachten, dass das nicht immer klappte. Gute OLines wie die der Falcons, 49ers und besonders der Rams schafften es, Derrick Brown zu dominieren. In diesen Spielen hatte Carolina dann auch keinen Zugriff mehr auf das gegnerische Laufspiel. Dieses Phänomen gilt es in dieser Saison zu unterbinden.
Sorgen die neuen Linebacker für den Aufschwung?
Neben dem Pass Rush war die Coverage der Linebacker das größte Problem der Defense. Mit Christian Rozeboom und Trevin Wallace hatte Carolina zwei unglaublich schwache Coverage-Linebacker. Als Folge sind nun beide nicht mehr im Team.
In der Free Agency kam All-Pro Devin Lloyd. Der Linebacker hatte zuerst drei durchwachsene Jahre bei den Jacksonville Jaguars, bevor er letzte Saison seinen Durchbruch hatte und ein wichtiger Bestandteil der Defense in Jacksonville war.
Lloyds Stärke ist definitiv die Coverage. Allein durch seine Anwesenheit sollte die Defense einen Sprung machen. Zusätzlich könnte er als Blitzer den Pass Rush unterstützen. Bei der fehlenden Tiefe im Roster könnte man sogar behaupten, dass er der zweitbeste Pass Rusher des Teams wäre.
Unterstützt wird er durch Bobby Okereke. Der Linebacker konnte kurz vor Saisonbeginn noch geholt werden und musste nach einer schwächeren letzten Saison länger warten.
Okereke geht in seine achte Saison und bringt neben Lloyd eine gewisse Erfahrung mit. Seine Schwäche war im letzten Jahr das Tackling gegen den Lauf. Bei 21 Missed Tackles erreichte er lediglich eine PFF Tackling Grade von 50,2. Allerdings sollte er in Coverage mit seiner Erfahrung immer noch ein gewisses Grundniveau mitbringen, das den Panthers zuletzt gefehlt hat.
Seine Verpflichtung im Zusammenspiel mit Devin Lloyd sollte den Panthers um Defensive Coordinator Ejiro Evero insgesamt mehr Freiheiten geben. Mit besseren Coverage-Linebackern kann Evero nun variabler agieren und unterschiedliche Coverage-Strukturen spielen, ohne dabei dauerhaft Angst haben zu müssen, dass die Linebacker in Coverage zum Schwachpunkt werden.
Starke Cornerbacks als Rückgrat der Secondary
Carolina hatte 2025 eines der stärksten Cornerback-Duos. Mike Jackson hatte seine Breakout-Season, während Jaycee Horn immer noch als einer der Besten aufspielte. Zwar hatten beide Spieler auch schlechtere Partien und ließen ihre Yards zu, doch über die Saison gesehen waren nur ganz wenige Duos wirklich besser als die beiden.
In dieser Saison stellt sich die Frage, wie konstant diese Performance war. Jackson spielte bisher noch nicht so oft auf diesem Niveau. Für die Panthers wird es wichtig sein, dass er allerdings wieder genauso viele Bälle verteidigt oder gar abfängt.
Jaycee Horn könnte zudem eine leicht veränderte Rolle haben. Mit dem Viertrundenpick Will Lee im Haus könnten mehr Räume im Slot für Horn frei werden. So könnten die Panthers sich mit ihrem besten Cornerback besser auf die Gegner einstellen und vielseitiger sein. Horn könnte demnach eine ähnliche Rolle wie Devon Witherspoon bei den Seattle Seahawks einnehmen und noch mehr zum Playmaker werden.
Safetys als flexible Schachfiguren
Die Safety-Position ist ähnlich aufgebaut wie in der letzten Saison. 2025 zeigte Carolina vor dem Snap häufig einen Two-High-Look, aus dem die Defense anschließend sowohl in Two-High als auch in Single-High rotieren konnte. Durch diese Variabilität war es für gegnerische Quarterbacks schwieriger, die Coverage bereits vor dem Snap zu erkennen. Häufig übernahm Nick Scott nach dem Snap die Rolle des alleinigen tiefen Safetys.
Die Defense gehörte dabei zu den variabelsten der NFL. Laut MatchQuarters zeigte Carolina bei 41,5 Prozent der Plays eine andere Coverage als zunächst zu erwarten war. Das war der zweithöchste Wert der Liga. Für gegnerische Quarterbacks war es dadurch schwieriger, bereits vor dem Snap zu erkennen, welche Coverage tatsächlich gespielt wurde.
Tre’von Moehrig war dabei eine Art Chess Piece für Evero. Er wurde nicht nur als Safety eingesetzt, sondern rückte regelmäßig näher an die Line of Scrimmage oder in den Slot.
Bekannte Schwächen in der Coverage
Ransom und Moehrig sind gut gegen den Lauf und können sehr schnell nach vorne schießen, haben aber wohl weiterhin Schwächen in der Coverage. Gerade bei Moehrig könnte sich durch die verbesserten Linebacker allerdings eine interessante Möglichkeit ergeben. Evero könnte ihn noch flexibler einsetzen.
Sollten die Panthers stärker in Man-Coverage agieren, könnte Nick Scott zum Problem werden. Der Safety agierte als tiefer Free Safety noch halbwegs solide, konnte es mit guten Receivern allein aber kaum aufnehmen. Hier könnte langfristig Draftpick Zakee Wheatley eine Außenseiterchance auf mehr Spielzeit bekommen.
Kann die Defense mit der Konkurrenz mithalten?
Die Panthers haben große Ambitionen. Nachdem das Team es letztes Jahr in die Playoffs geschafft hat, muss es vom Anspruch her auch dieses Jahr wieder mit der Postseason klappen. Die großen Problemzonen wurden in der Defense dabei gezielt angegangen. Das war auch notwendig, denn letztes Jahr belegte die Defense nach EPA/Play nur Platz 23.
Neben den Neuverpflichtungen gibt es kaum Abgänge. A’Shawn Robinson verabschiedete sich aus der DLine nach Tampa Bay. Zudem konnte die Verletzung von Nic Scourton kaum aufgefangen werden. Die Defense hat deshalb weiterhin noch Lücken. Insgesamt kann die Unit aber potenziell trotzdem bis in die Top Ten der Liga vorrücken.
Dafür müsste allerdings viel zusammenkommen, besonders mit Blick auf Verletzungen. Allein vom Personal dürfte die Defense aber eine der stärksten der letzten Jahre bei den Panthers sein und in einer schwächeren Division absolut auf Playoff-Niveau spielen können.
Wie stehen die Chancen auf die Playoffs?
Die Panthers gehen in der NFC South trotz des Titels 2025 nicht als Favorit auf den Sieg in der Division ins Rennen. Profitierte das Team in der letzten Saison noch von der Schwäche der Gegner, gelten die anderen Teams bei den Buchmachern dieses Jahr als leicht besser.
Die acht Siege dürften in dieser Saison nicht zum Einzug in die Playoffs reichen. Zudem ist eine Regression zu erwarten. Die Panthers hatten in One-Scoring Games eine starke Bilanz von 7-3. Solche engen Spiele lassen sich allerdings nur schwer dauerhaft in diesem Ausmaß gewinnen. Bei einer ausgeglichenen Bilanz in diesen Spielen wäre Carolina in der vergangenen Saison lediglich bei etwa sechs Siegen und elf Niederlagen gelandet. Die Buchmacher sehen das ähnlich. Trotz verbesserter Defense stehen die Quoten bei etwa sieben Siegen.
Als Fan kann man vielleicht aber auf eine Überraschung in der Offense hoffen. Inzwischen sollte ziemlich klar für die Liga sein, was die Stärken und Schwächen von Bryce Young sind. Sollte die OLine gut performen, Young konstanter über die Mitte werfen können und dazu die Running Backs besser performen als erwartet, könnten die Panthers auch dieses Jahr ein großes Wort um den Divisionsieg mitreden. Es müssten dabei aber sehr viele Rädchen ineinanderlaufen.
In einzelnen Spielen sollte das Team um Dave Canales auf Augenhöhe mit den Saints oder Buccaneers sein. Für eine erneute Playoff-Teilnahme müsste Carolina allerdings deutlich mehr Konstanz zeigen als im vergangenen Jahr. Das Potenzial für eine Überraschung ist da, auch wenn die Panthers aktuell nicht als Divisionfavorit in die Saison gehen.








Hinterlasse einen Kommentar
An der Diskussion beteiligen?Hinterlasse uns deinen Kommentar!