Vom Trainingscamp, neuen Gesichtern und einem Hall of Fame Game
Carolina Panthers – erste Eindrücke aus dem Trainingscamp 2026 (Bericht von Thomas)
Für jeden NFL-Fan ist die Zeit zwischen Draft und Trainingscamp irgendwie eine seltsame Zeit. Man verfolgt jede noch so kleine Meldung, schaut sich Videos von OTAs an und versucht aus irgendwelchen Trainingseinheiten herauszulesen, welcher Rookie vielleicht der nächste Star werden könnte.
Und dann ist es plötzlich wieder soweit.
Die Spieler stehen wieder in voller Ausrüstung auf dem Platz, die ersten Pads knallen und spätestens jetzt merkt man: Die neue Saison ist nicht mehr nur irgendeine Zahl im Kalender. Sie kommt.
Auch bei den Carolina Panthers ist das Trainingscamp 2026 mittlerweile in vollem Gange. Und während man in den ersten Wochen natürlich noch vorsichtig mit irgendwelchen großen Prognosen sein muss, gibt es bereits einige Eindrücke, die durchaus Hoffnung machen. Andere dagegen sorgen für Sorgenfalten.
Neue Gesichter, neue Erwartungen
Die Panthers haben in der Offseason ordentlich am Kader geschraubt. Vor allem die Defense bekam mit Jaelan Phillips und Devin Lloyd zwei Spieler, von denen man sich einiges verspricht. Phillips soll endlich wieder für den dringend benötigten Pass Rush sorgen, während Lloyd als neuer Leader in der Mitte der Defense vorgesehen ist.
Gerade Phillips ist dabei natürlich besonders interessant. Die Panthers hatten in der vergangenen Saison weiterhin große Probleme damit, konstant Druck auf den gegnerischen Quarterback auszuüben. Phillips bringt mit seinen bisher 28 Sacks in fünf NFL-Saisons genau das mit, was Carolina dringend benötigt.
Und auch Devin Lloyd scheint sich bereits sehr gut in Carolina einzufügen. Der Linebacker arbeitet nicht nur auf dem Feld, sondern beschäftigt sich intensiv mit der Geschichte der Position bei den Panthers. Passenderweise bekam er dabei sogar Unterstützung von Luke Kuechly. Viel mehr Panthers-DNA kann man eigentlich kaum bekommen.
Auf der anderen Seite des Balls dürfte Rasheed Walker eine der interessantesten Verpflichtungen sein. Durch die Verletzung von Ikem Ekwonu und die Probleme rund um Taylor Moton, ist die Offensive Line aktuell eine der größten Baustellen im Camp. Walker bringt Erfahrung aus Green Bay mit und hat dort bereits 48 Spiele gestartet.
Monroe Freeling – der Rookie mittendrin
Mit Monroe Freeling haben die Panthers an Position 19 einen Offensive Tackle ausgewählt. Ursprünglich war noch offen, wo genau der ehemalige Georgia-Spieler eingesetzt werden soll. Im Camp musste er dann relativ schnell zeigen, dass er flexibel einsetzbar ist.
Aktuell wird Freeling vor allem auf der rechten Seite eingesetzt und bekommt dort wichtige Reps. Gleichzeitig ist er Teil des Wettbewerbs um die Position des Left Tackles hinter beziehungsweise neben Rasheed Walker.
Und auch die anderen Rookies konnten in den ersten Camp-Tagen durchaus auf sich aufmerksam machen.
Cornerback Will Lee III beispielsweise sorgte früh für Aufsehen und fing im Training einen Pass von Bryce Young ab. Gerade die Secondary zeigte in den ersten Tagen des Camps immer wieder, dass sie nicht gewillt ist, der Offense einfach das Feld zu überlassen.
Defensive Tackle Lee Hunter bekommt ebenfalls die Gelegenheit, sich in einer noch relativ jungen Defensive Line zu beweisen. Zakee Wheatley und Jackson Kuwatch kämpfen derweil um ihre Plätze im finalen Kader.
Der wohl bitterste Teil des Camps
Leider gehört auch das zu einem NFL-Trainingscamp: Verletzungen. Und die Panthers wurden dabei gleich mehrfach hart getroffen.
Bereits am ersten Camp-Tag erwischte es Nic Scourton. Der junge Pass Rusher, der in seiner Rookie-Saison fünf Sacks gesammelt hatte und damit gemeinsam mit Derrick Brown Team-Leader war, zog sich eine schwere Knieverletzung zu. Wenig später war klar: Scourton hat sich einen Kreuzbandriss zugezogen und wird die Saison verpassen.
Als wäre das nicht schon schlimm genug, folgte wenige Tage später die nächste Hiobsbotschaft.
Chris Brazzell II, der dritte Pick der Panthers im Draft, hatte im Camp zunächst mit starken Eindrücken auf sich aufmerksam gemacht. Der 6’4″ große Receiver bringt eine Kombination aus Größe und Geschwindigkeit mit, die dem Panthers-Receiving-Corps eine weitere Dimension geben sollte. Schon im Rookie Minicamp war sein enormer Catch-Radius aufgefallen.
Doch dann verletzte sich auch Brazzell am Knie. Nach einer weiteren Untersuchung entschied man sich schließlich für eine Operation – seine Rookie-Saison ist damit beendet. Ein bitterer Schlag für den jungen Receiver und natürlich auch für die Panthers.
Dazu kommen die Verletzungen beziehungsweise Reha-Situationen von Ikem Ekwonu, Tershawn Wharton und Taylor Moton. Ekwonu arbeitet nach seinem Patellasehnenriss aus den Playoffs an seinem Comeback, Wharton befindet sich nach einer Halsoperation noch auf der PUP-Liste und Moton musste aufgrund eines Blutgerinnsels zunächst auf Kontaktsport verzichten.
Und wie sieht es auf dem Platz aus?
Was bleibt also nach den ersten Camp-Wochen? Ehrlich gesagt: einiges.
Die Defense hatte gerade zu Beginn des Camps einige sehr starke Tage. Die Panthers gingen in den ersten Einheiten sehr physisch zu Werke und konnten die Offense mehrfach vor große Probleme stellen. Besonders die Secondary machte einen guten Eindruck.
Aber natürlich kann auch die Offense Football spielen.
Bryce Young zeigte im Camp immer wieder seine Genauigkeit bei tiefen Pässen und scheint mit seinem Receiving Corps weiter eine gute Chemie aufzubauen. Besonders Tetairoa McMillan, Xavier Legette und einige der jungen Receiver konnten mit starken Plays auf sich aufmerksam machen.
Bryce Young und seine neuen Möglichkeiten
Natürlich bleibt Bryce Young eine der zentralen Geschichten.
2025 konnte Young einen deutlichen Schritt nach vorne machen und warf für 3.011 Yards, 23 Touchdowns und nur elf Interceptions. Die Panthers haben entsprechend seine Fifth-Year Option gezogen und ihm damit auch für die kommenden Jahre Vertrauen ausgesprochen.
Im Camp wirkt er selbstbewusst. Und vielleicht ist genau das der Unterschied zu den ersten Jahren seiner Karriere.
Young hat mittlerweile Erfahrung, kennt das System von Dave Canales und bekommt gleichzeitig ein Receiving Corps, das mit Tetairoa McMillan, Xavier Legette, Jalen Coker und den weiteren jungen Spielern einiges an Potenzial besitzt.
Und dann kam Canton…
Eigentlich sollte man das Hall of Fame Game gar nicht überbewerten. Und genau deshalb möchte ich es auch gar nicht tun.
Die Panthers traten in Canton gegen die Arizona Cardinals an – und wie erwartet bekamen die meisten Starter eine Pause. Bryce Young durfte sich das Ganze entspannt von der Seitenlinie ansehen, während Kenny Pickett als Starting Quarterback begann und anschließend Haynes King reichlich Spielzeit bekam.
Und der Rookie nutzte seine Chance.
King führte die Panthers zu einem 33:30-Sieg und zeigte dabei genau das, was man sich von einem dritten Quarterback wünscht. Er warf zwei Touchdown-Pässe, kam auf 180 Passing Yards und erlief zusätzlich 39 Yards.
Und dann war da natürlich noch der letzte Drive.
Dritter Versuch und 14. King lief für 26 Yards und hielt die Panthers damit im Spiel. Wenige Plays später nahm die Sache ihren Lauf und Carolina sicherte sich mit 33:30 den Sieg.
Erste Eindrücke? Durchaus positiv.
Was bleibt also nach dem Trainingscamp und dem ersten Spiel?
Bei aller Vorsicht würde ich sagen: Die Panthers machen aktuell einen interessanten Eindruck.
Die neuen Verpflichtungen wirken sinnvoll und bringen genau das mit, was dem Team in den vergangenen Jahren teilweise gefehlt hat. Devin Lloyd gibt der Defense eine neue Stimme. Jaelan Phillips soll endlich wieder für Druck sorgen. Rasheed Walker bringt dringend benötigte Erfahrung in die Offensive Line.
Und bei den Rookies gibt es ebenfalls einige spannende Ansätze.
Monroe Freeling bekommt aufgrund der Verletzungssituation eine große Bühne. Will Lee III hat bereits gezeigt, dass er keine Angst vor großen Namen hat. Lee Hunter und Zakee Wheatley müssen sich ihre Plätze erst noch verdienen.
Leider gehören zu einem Trainingscamp aber auch die bitteren Momente. Der Verlust von Nic Scourton wiegt schwer und die Verletzung von Chris Brazzell II ist für ihn persönlich und für die Panthers gleichermaßen bitter.
Trotzdem bleibt der Gesamteindruck für mich positiv.
Noch ist kein einziger regulärer Snap gespielt. Noch ist kein Spiel gewonnen. Noch ist überhaupt nicht klar, wie gut diese Panthers 2026 tatsächlich sein werden.
Aber genau das ist doch das Schöne am Trainingscamp.
Man darf wieder hoffen.
Keep Pounding!










